Einführung

Google Earth ist eine, in der Grundform unentgeltliche Software der Google Inc. und stellt einen virtuellen Globus dar. Sie kann Satelliten- und Luftbilder unterschiedlicher Auflösung mit Geodaten überlagern und auf einem digitalen Höhenmodell der Erde zeigen. [...] Da sich eigene Geodaten im Keyhole Markup Language (KML)-Format abspeichern und wieder einladen lassen, stellen zahlreiche Anwender Zusatzdaten bereit. Mittels sogenannter Netzwerklinks können diese Daten aktuell vom Server nachgeladen werden. [1]

Die Eigenschaften der Software-Plattform bilden eine gute Grundlage, der virtuellen Erdoberfläche künstlerische Inhalte hinzuzufügen, die sich auf bestimmte Orte unserer Erde beziehen. Innerhalb des Programms lassen sich viele verschiedenen Ebenen anzeigen und als Zusatzmaterial aus dem Internet laden, welche die Darstellung bestimmter Sachverhalte (z.B. weltweite Verkehrsdaten, Wetterinfos oder 3D-Modelle von Gebäuden) auf der Erdoberfläche ermöglichen. Insbesondere bei der Erstellung von 3D-Gebäuden ist Google Inc. auf die Hilfe zahlreicher Nutzer angewiesen, die Ihre Modelle von bestimmten Gebäuden der Erde für die virtuelle Oberfläche von Google Earth bereitstellen. Das Projekt earth net art macht sich diese Möglichkeit zu Eigen, nicht um die Realität nachzubilden, sondern um virtuelle Kunstwerke für bestimmte Orte herzustellen.

Bei der Freigabe der 3D-Modelle für die direkte Ansicht auf Google Earth unterliegen diese allerdings einer strengen Kontrolle von Google Inc., bei der neben qualitativen Kriterien besonders die realitätsgetreue Nachbildung des Modells im Vordergrund steht. Bemühungen, Google Inc. davon zu überzeugen, eine spezielle Ebene allein für virtuelle Kunstwerke auf Google Earth bereitzustellen waren bisher erfolglos.

Künstlerische Beiträge lassen sich dennoch auf einem von Google unabhängigen Server bereitstellen (siehe www.earthnetart.com), die dann nach einen kurzen Download direkt auf der Google-Earth-Oberfläche betrachtet werden können.

Das Projekt

Im Gegensatz zu Second Life, bei dem sich die virtuelle Umgebung vollkommen losgelöst entwickelt, gibt es bei Google Earth eine unmittelbare Bindung an den virtuellen Globus. Allein auf dieser Oberfläche mit ihrem direkten Bezug zur Erdoberfläche, ist es möglich zu agieren. Dadurch besteht immer eine Verbindung zu dem reellen Referenzort, den die virtuelle Umgebung versucht zu simulieren.

Wenn nun auf dieser Oberfläche künstlerische Inhalte gezeigt und hergestellt werden, beziehen diese sich immer auf einen real existierenden Ort. Es ist also neu, dass man auch auf einer virtuellen Oberfläche von „Site specifity“[2] sprechen kann, einem Begriff, der sich bisher hauptsächlich für Kunst im öffentlichen Raum anwenden ließ. Virtuelle Objekte, die sich auf eine materielle Umgebung beziehen, entfalten allein durch ihren Realitätsbezug ein besonderes Potenzial. Nicht an materielle und physikalische Gesetze gebunden, können sie sich frei entfalten ohne an Grenzen der Statik und Wirtschaftlichkeit zu stoßen. Durch ihren Ortsbezug geben sie jedoch vor, Teil der Realität zu sein, oder beinhalten immer die Möglichkeit real gedacht, bzw. umgesetzt zu werden. Dabei kommt es zu einer Vermischung von realen und fiktiven Inhalten, die auch der Phantasie des Rezipienten einen großen Handlungsspielraum gewähren.
Durch die starke Präsenz des Globus und dem vorhandenen Realitätsbezug werden künstlerische Inhalte verstärkt politisch. Sie können durch ihren Bezug globaler gedacht und verstanden werden.

Das Projekt ist über einen längeren Zeitraum angelegt und soll ständig mit neuen Modellen ausgebaut und erweitert werden. Dabei reagieren die „dreidimensionalen Kommentare“ nicht nur auf einen bestimmten Ort sondern auch auf politische oder gesellschaftliche Ereignisse, die mit diesem Ort in enger Verknüpfung stehen. Dazu gibt es in der Regel einen kurzen Text, gestaltet wie „shortnews“ bestimmter Websites, der dem virtuellen Objekt eine Inhaltliche Ebene hinzufügt.

Beispiele können unter earthnetart.com mit dem entsprechenden Google-Earth-Plug-in direkt im Browser angesehen werden oder über die entsprechenden Links vom Google-Server heruntergeladen und über Google Earth 4.0 und neuer (kostenlos erhältlich unter http://earth.google.com/intl/de/) angeschaut werden.  

Erweiterung auf Mond und Mars 

Seit einiger Zeit bietet Google Earth auch die Möglichkeit, sich die Oberfläche von Mond und Mars genauer anzuschauen. Dementsprechend ist es geplant den Wirkungskreis des Projektes earth net art auf diese beiden Himmelskörper auszudehnen. Das heißt, demnächst können die weltweit ersten virtuellen Kunstwerke mit Realitäts- und Ortsbezug für die Mond- und Marsoberfläche angeschaut werden!

[1]Vergl.: Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Google_Earth
[2] Erstmals beschrieben von: Douglas Crimp: Redifining Site Specifity. in: Rosalind Krauss (ed): Richard Serra / Sculpture. Museum of Modern Art, New York 1986